Zweitkonten bei Facebook

Wer bei Facebook viel kommentiert und daher auch häufig gesperrt wird, legt gerne ein weiteres Konto an. Dasselbe gilt für Facebooknutzer, die zum Beispiel zwischen einem beruflichen oder politischen Profil einerseits und einem eher privaten Profil andererseits trennen wollen, oder Nutzern, die sogar zwischen zwei verschiedenen Sprachprofilen unterscheiden wollen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und meistens nachvollziehbar, z.B. wegen völlig unterschiedlicher Freundeskreise. Das Problem dabei ist, dass die Nutzungsbedingungen von Facebook ausdrücklich und unmissverständlich regeln, dass pro Person nur ein einziges Nutzerkonto eingerichtet werden darf. Für alle anderen Zwecke stellt Facebook immerhin die Möglichkeit der Seiten zur Verfügung „Was macht das schon“, denken sich nun viele Nutzer und verstehen die Anlage weiterer Konten als geringfügiges Problem. Doch leider verbirgt sich hier eine erhebliche Gefahr gerade für solche Nutzer, die häufiger Opfer von Zensurangriffen werden. Auch wenn wir viele Regelungen der Facebook-Nutzungsbedingungen, zum Beispiel die Klarnamenpflicht, für eindeutig rechtswidrig halten, so sind wir doch der Ansicht, dass die Regelung zum Verbot weiterer Konten gegen kein gesetzliches Verbot verstößt. Es gibt keinen Grund, warum Facebook nicht von seinen Nutzern verlangen können sollte, sich auf ein Profil zu beschränken, zumal Facebook ja gerade mit den Nutzerdaten sein Geld verdient und daher darauf angewiesen ist, dass ein Profil den Nutzer auch vollständig abbildet. Das ist der Deal, auf den sich jeder Nutzer eingelassen hat. Verstoßen Facebooknutzer gegen diese Regelung, kann Facebook ausnahmsweise das Konto kündigen – und zwar fristlos. Das betrifft dann aber eben nicht nur das gekündigte Hauptkonto, sondern alle Konten bei Facebook, und schließt auch die Neuerrichtung weiterer Konten bei Facebook endgültig aus. Gerade für diejenigen, die von Sperrungen und Löschungen bedroht sind, ist das Zweitkonto somit ein „Schuss ins eigene Knie“ – denn auf diese Weise gibt man Facebook eine einfache Möglichkeit an die Hand, den unbequemen Nutzer loszuwerden, ohne den Streit um die Meinungsäußerung führen zu müssen. Natürlich gibt es auch gute Argumente dafür, warum Nutzer im Einzelfall doch ein zweites oder drittes Konto anlegen müssen, und natürlich vertreten wir solche berechtigten Interessen unserer Mandanten gegen Facebook auch vor Gericht. Aber wir können niemanden im Vorfeld dazu raten, sich auf Argumente im Einzelfall zu verlassen. Wir empfehlen dringend, sich selbst an die Regeln zu halten, auch wenn Facebook das bisweilen nicht tut.

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2 Comments

  1. Ernst

    Mich würde mal interessieren, ob z.B. ein auf youtube kritisierter Politiker die Möglichkeit hätte, mittels DSGVO die Verwendung seiner persönlichen Daten zu untersagen. Natürlich ist das eine ganz andere Situation, weil der Politiker die Daten nicht selbst an wikipedia weitergegeben hat, sondern diese von Dritten (in welcher Weise auch immer) erhoben, gelesen, gesammelt und auf wikipedia hochgeladen wurden. Würde die DSGVO das hergeben? Also darf jeder die Daten von anderen auf Internetportalen hochladen? Wenn nicht, wäre das ein hochinteressantes Anwendungsgebiet für einen cleveren Anwalt. Es soll ja irgendwann noch eine eprivacy-Verordnung kommen, möglicherweise würde diese Fragestellung dann da drunter fallen.
    Ich poste das, weil ein britischer Politiker, der sehr auf wikipedia verleumdet wurde, neulich ermittelt hat, wer der Haupt“störer“ war:
    https://de.sputniknews.com/panorama/20180531320955722-philip-cross-wikipedia/

  2. Enrico P.

    Ich kenne da so einen Fall!
    Weibliche Person mit mindestens zwei bis zig Accounts. Zwei Accounts sogar mit gleichen Fotos und die übrigen Accounts als Pseudo-Freundin, Bruder, Schwester, Neffe usw.
    Macht einen auf Depressive immer wieder verlassene und tröstet sich dann selber. Albern und vollkommen idiotisch, da die Person meistens mal den Überblick verliert und der letzte Freund, der sie plötzlich verlassen hatte noch vor 3 Wochen als Bruder bei Familienmitglieder aufgelistet war.
    Einige gemeldete Accounts wurden zwar dann irgendwann gelöscht aber im Handumdrehen legt sich diese Person neue Accounts an und tröstet sich wie gehabt selber, als die ewig Verlassene.
    Verstößt dann aber alles nicht mehr gegen die AGB´s von Facebook wenn man die neuen Accounts wieder meldet. Verstehe einer wer will.
    Man darf sich Fragen, worum geht es Facebook eigentlich bei ihren eigenen AGB´s?

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