Die Schere im Kopf

Der ehemalige Bundesbanker  und SPD-Finanzsenator von Berlin Thilo Sarrazin gilt vielen in der SPD als Auslöser der zunehmenden Diskussion über Integration oder Nichtintegration, „Überfremdung“ und nationale Identität – und damit als Schmuddelkind. Ein Parteiausschlussverfahren scheiterte bereits. Doch das Buch „Deutschland schafft sich ab“ erklomm schnell Plätze in der Bestsellerliste. Nun schrieb Sarrazin ein weiteres Buch – über den Islam. „Feindliche Übernahme – wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“, so der Titel (lt. BILD-Zeitung). Es war abzusehen, dass auch dieses Buch eine Kontroverse hervorrufen wird – und das war vermutlich auch durchaus beabsichtigt. Doch nach dem Willen des Verlages soll es jetzt dazu nicht kommen. Random House, eine Bertelsmann-Tochter, weigert sich nun, das Buch zu veröffentlichen – aus „Sorge, das Buch könne islamfeindliche Kräfte im Land weiter anheizen“. Deshalb geht es nun vor Gericht. Ein Sieg Sarrazins dort dürfte wahrscheinlich sein – denn der Verlagsvertrag verpflichtet den Verlag dazu, „das Werk zu vervielfältigen und zu verbreiten“ (§ 1 S. 2 VerlG). Das steht also nicht im Belieben des Verlages. Doch unabhängig vom Ausgang des Verfahrens wirft das Vorgehen des Verlages ein Schlaglicht auf den bedauernswerten Stand der öffentlichen Debatte in Deutschland.

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